Konferenz-September Teil 2: Freie Bildung ist, wenn man es trotzdem macht?

Der September war voller Ereignisse für das Bündnis: Wir veröffentlichten unser neues Positionspapier, “standen für digitale Rechte ein” und “gestalteten den digitalen Wandel mit”. Wir diskutierten unsere Forderungen mit der netzpolitischen Community und Vertreterinnen und Vertretern von Hochschulen und entwickelten Strategien, wie wir diesen Gehör verschaffen.

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Am Dienstag, den 25. September veranstalteten wir im Rahmen des Hochschulforums Digitalisierung einen Workshop mit dem Titel “Forderungen für offene und Freie Bildung (in der Hochschule)”. In dieser Session warfen Dr. Norbert Kleinefeld, Christian Friedrich und Dominik Theis zunächst einen kurzen Blick auf die letzten fünf Jahre Freie Bildung und Content Sharing an Hochschulen und diskutierten dann gemeinsam mit den Teilnehmenden die Positionen des Bündnisses anhand von bestimmten Themenfeldern Freier Bildung.

Die Welt der Freien und offenen Bildung hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt: OER finden sich im Koalitionsvertrag wieder und im Rahmen einer Förderlinie des BMBF wurden verschiedene einzelne Projekte rund um OER sowie Vernetzungsprojekte wie die OER Infostelle oder die OERcamps gefördert. Dies hat zu einer gestiegenen Aufmerksamkeit geführt – ‘open’ ist nicht mehr nur ein Nischenthema.

Notizen der Diskussion, CC0

Die Diskussion zeigte schnell, dass trotz der gesteigerten Aufmerksamkeit hinsichtlich der Open-Thematik und der geplanten Förderung noch viele Hürden existieren, die überwunden werden müssen. Es wurde angemerkt, dass Hochschulen und Bildungsinstitutionen generell gesetzlich offen sind, die Chance der Beteiligung jedoch nicht von allen Menschen wahrgenommen wird. Hierbei spiele die derzeitige gesellschaftliche Situation eine Rolle, die Personen davon abhalte, sich (weiter- bzw. fort-) zu bilden.

Um die Zugänglichkeit zu erweitern und noch mehr Menschen abzuholen, fehle es in den Einrichtungen an Zeit, Kapazitäten und Know-How. Versuche, wie offene Hochschulen und die transparente Gestaltung von Inhalten gebe es zwar schon, doch basieren diese auf Initiative von Einzelnen. Offene Praktiken werden, so die Auffassung der Teilnehmenden, durch den Staat nicht grundsätzlich motiviert, ergeben sich somit nur durch private Initiativen von Lehrenden. Darüber hinaus erschweren Lehrpläne und Pflichtlektüre den Einbezug von offenen Praktiken und frei zugänglichen Materialien. Und schließlich mangele es an Anreizen für die Lehrenden, ihre Praktiken offen zu gestalten.

Auch den Studierenden fehle es zum einen an den Ressourcen und seien durch den bereits bestehenden Zugang weniger interessiert daran, noch mehr Offenheit in der Lehre einzufordern. Auch bei dieser Gruppe fehle es an Wissen oder Interesse hinsichtlich der Vorteile von Offenheit in der Lehre.

Der primäre Fokus der Verwaltungen, Lehrenden und Lernenden liege auf der Qualität der Lehre; Offenheit stehe dem meist hinten an und werde nicht damit in Verbindung gebracht. Hier schließe sich die Frage an, was gute Lehre auszeichnet und wie Verbesserungen erreicht werden können, ohne Lehrende und Lernende zu überfordern.

Die Diskussion riss somit eine nicht kleine Gemengelage an Hindernissen und Problematiken an, die es zu überwinden und bekämpfen gibt. Die Notwendigkeit einer umfassenden Strategie wurde betont, die auf die Heterogenität der Betroffenen eingeht und so viele Menschen wie möglich erreichen kann. Die Teilnehmenden schlugen ein Vorgehen vor, dass auf das Nichtwissen, Nichtkönnen und das Nichtwollen der Menschen eingeht, zunächst befähigt und dann überzeugt, mit offenen Praktiken souverän umzugehen.

Ergebnisse der Diskussion

Um dies zu spezifizieren, wurden Maßnahmen vorgeschlagen, das System offener zu gestalten und das Bewusstsein für Offenheit in der Gesellschaft zu weiten: Man brauche einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Offenheit an den Hochschulen und der betroffenen Gruppen, die von ihr profitieren (könnten). Die Entscheidungstragenden müssten dazu bewegt werden, Offenheit einzufordern und zu Fördern, was durch direkte und präzise Ansprachen geschehen sollte. Es muss allen klar werden, welche Vorteile offene Praktiken und frei zugängliche Bildungsmaterialien mit sich bringen; Mythen müssen bekämpft werden. Offenheit und Qualität sollen zusammen gedacht werden und Beispiele aufgezeigt werden, wie ersteres letzteres bedingen kann. Es muss klar werden, dass beispielsweise durch Peer Review oder das Teilen von Ergebnissen Forscherinnen und Forscher gegenseitig ergänzen können und somit auch die Qualität der Wissenschaft steigen kann.

Das Wichtigste sei, dass sich die Kultur an Hochschulen änderte. Es müsse in einem partizipativen Prozess eine Haltung der Hochschule erarbeitet werden, die die Öffnung von Lehre und Lernen fordert und fördert. Lehrende brauchten zudem Unterstützung und Qualifikationen, mit freien Materialien umzugehen und souverän offen zu praktizieren. Hierbei sollten Aus- und Weiterbildung, als auch die Lehre an sich mit einbezogen werden. Nur durch den Einbezug der unterschiedlichen Personengruppen ist es möglich, Hochschulen und ihre Angebote zu öffnen.

Freie Bildung sollte nicht mehr nur das sein, was einige wenige trotz der Hürden und mangelnden Unterstützung machen. Es sollte von allen seiten gefordert und gefördert werden, um die Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen, den Zugang zu erleichtern und die Qualität der Bildung zu verbessern.

Hier geht’s zur Präsentation!

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