Plattformisierung: Wie man Bildung nicht digitalisieren sollte!

“Digital what?” – Am 29. Dezember 2018 erklärte das Bündnis auf dem 35. Chaos Computer Congress, wie man Bildung nicht digitalisieren sollte. Anja Lorenz, Jelisaweta Kamm und Dominik Theis gingen hierbei darauf ein, wie politische Entscheidungstragende vorrangig auf den Ausbau von Plattformen setzen, um Bildung “endlich” zu digitalisieren und, dass somit die Umsetzung dem Ziel widerspricht, Menschen dazu zu befähigen, sich im digitalen Raum sicher und mündig zu bewegen.

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Regierungen und politische Entscheidungstragende setzen auf die Forcierung und den Ausbau von Plattformen. Eine “Schulcloud”, eine “Plattform für die (inter)nationale Hochschullehre”, eine “VHS Cloud” – und im Herbst 2018 erblickte nun auch MILLA, das Versprechen von “modularem Interaktiven Lebensbegleitenden Lernen für Alle”, das Licht der Welt. All dies geschieht mit der Motivation, Bildung nun endlich zu digitalisieren. “Schulen ans Netz” wurde schon 1996 gerufen, aber jetzt soll es wirklich passieren. Jedoch nicht in einem Netz, sondern indem Plattformen, geschlossene Ökosysteme und Marktplätze die Rolle einnehmen, die das Netz 1996 in der Schule vielleicht noch haben sollte.

Gleichzeitig widersprechen die Mittel dem Ziel: Junge Menschen in der Bildung sollen auf Plattformen und nicht im oder mit dem Netz “digitale Mündigkeit” erlernen und die kritisch-reflektierte Auseinandersetzung mit dem Netz erlernen. Auch die Unabhängigkeit von Bildungsangeboten ist in Gefahr, wenn ihre anbietenden Einrichtungen nur solche Inhalte und Formate wählen dürfen, die auch auf die jeweilige Bildungs-Plattform passen und dort auch auf dem integrierten Marktplatz angeboten werden. Lock-In-Effekte sind hier vorprogrammiert, die gerade die öffentliche Hand als Trägerin von Bildung nicht zulassen sollte.

Chaos Computer Club e.V, iSystems, FeM, ags & C3VOC, Bündnis Freie Bildung beim 36. Chaos Computer Club (2), CC BY 3.0

Diese auch auf den Erhalt von traditionellen und starren Strukturen ausgerichtete Förderung von Plattformen zeigt nicht nur ein rudimentäres Verständnis für Bildung in einer und für eine digitale Gesellschaft, sie verstetigt und zementiert auch die Rolle der Einrichtungen und Institutionen in der deutschen Bildungslandschaft.

Das Bündnis Freie Bildung setzt hier an und macht Vorschläge, wie freie Bildungsinhalte, offene Infrastruktur und Software für die Bildungslandschaft verwendet werden können.

 

Hier geht es zur Präsentation: http://kurzelinks.de/bfb-35c3
Hier geht es zur Aufzeichnung: https://streaming.media.ccc.de/35c3/relive/527


Lizenzhinweis Titelbild: Holger Plickert, Bündnis Freie Bildung beim 36. Chaos Computer Club, CC BY 4.0

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