Die OER-Strategie des Bundes trägt Früchte und bringt Open Education durch vielfältige Fördermaßnahmen in die Praxis. Doch während Projekte wachsen, stellt sich für das Bündnis Freie Bildung (BFB), das maßgeblich dazu beigetragen hat, dass offene Bildung als zukunftsweisender Bildungsansatz Anerkennung findet, eine zentrale, immer drängendere Frage: Wie sichern wir Offene Bildung langfristig, wenn die Förderperioden enden? Wie verankern wir OER strukturell in der Breite, damit aus temporären Projekten eine nachhaltige Bildungspraxis wird?
Um eine tragfähige politische Agenda zu entwickeln, schuf Laurin Hagemann auf der „OER im Blick 2026“ einen besonderen Denkraum: Mittels einer geführten Meditation begaben sich Teilnehmende aus Community, Politik und Verwaltung auf eine Reise vom Ist-Zustand hin zu einer gemeinsamen Vision.
Ist-Stand: Wo stehen wir gerade?
In einem ersten Schritt deckten die Teilnehmenden Sichtbarkeitslücken und strukturelle wie finanzielle Hürden auf.
Weiterhin bestehende Lücken in der Bekanntheit von OER-Projekten und den dahinter stehenden Konzepten wurden dementiert. Auch wurde kritisiert, dass OER als reines Endprodukt im Vordergrund stehe, statt den Entwicklungsprozess und die damit verbundenen offenen Bildungspraktiken in den Fokus zu rücken. Die Präsenz des Bündnisses betreffend wurden strukturelle Hürden wie starre Methoden, teils exklusive und unflexible Infrastrukturen, die Innovation eher hemmen als fördern, kritisch betrachtet. Die Ressourcenfrage, den Übergang von finanzierten Projekten hin zum Ehrenamt betreffend, wurde als prekär beschrieben. Das BFB müsse hier seine eigene Organisationsform hinterfragen, um handlungsfähig zu bleiben.
Vision: Wo wollen wir hin?
In einem zweiten Schritt entwarfen die Teilnehmenden das Bild einer idealen Zukunft, in der Bildung nicht mehr entfremdet, sondern gemeinschaftlich gestaltet wird.
Eine Lernwelt der Zukunft, in der offene, transformative Bildung – angelehnt an reformpädagogische Ansätze –- als grundlegende Haltung etabliert ist. Verbunden mit einer Kultur des Teilens basierend auf einem OER-Ökosystem, in dem der freie Austausch von Ressourcen und Praktiken so selbstverständlich ist, dass das Individuum wenig geben muss, um durch die Gemeinschaft ein Vielfaches zurückzuerhalten.
Strategie: Wie kann das Bündnis unterstützen?
In einem nächsten Schritt wurde vom BFB künftig mehr aufsuchende Arbeit und politische Schlagkraft erwartet. Das Bündnis sollte als „Netzwerk der Wirksamen“ agieren.
Sensibilisierung und Qualifizierung für Lehrkräfte und Schüler*innen solle direkt in allgemeinbildende und berufsbildende Schulen getragen werden. Auch der Wunsch nach dem Aufbau eines „Netzwerkes der Wirksamen“, das bestehende Netzwerke und Austauschformate zusammenbringt, um politische Schlagkraft zu generieren, wurde geäußert. Das Bündnis sollte progressiv auftreten, provokante Thesen formulieren und den Diskurs aktiv mitgestalten, um politisch wirksam zu bleiben. Dabei müssten aktuelle technologische Entwicklungen mit Offenheit verknüpft und die Forderung verteidigt werden, Erkenntnisse aus KI-Prozessen zwingend gemeinfrei zu veröffentlichen.
Nächste Schritte: Partner und Allianzen
Um diese Ziele zu erreichen, setzt das Bündnis weiterhin auf Vernetzung, möchte jedoch auch neue Formate etablieren.
Kooperationen mit Akteuren wie dem Forum Bildung Digitalisierung, der Open Knowledge Foundation, Creative Commons, der OSB Alliance, D64, Schule im Aufbruch oder Bits & Bäume sollen wieder intensiviert oder neu geknüpft werden. Dabei geht es nicht nur um Infrastrukturanbindung oder Finanzierungsmöglichkeiten, sondern auch um den Aspekt des voneinander Lernens und der Frage danach, wie sich andere Netzwerke erfolgreich strukturieren.
Fazit: Community Care statt Management
Der nächste Schritt des BFB ist kein klassisches Strategiepapier, sondern eine Einladung zur Selbstreflexion. Unter dem Motto „Community Care statt Management“ lädt das Bündnis zu einem Inspirations-Call ein.
Anstatt starrer Formate möchten wir zukünftig auf Methoden setzen, die strukturelles Loslassen und Visionieren ermöglichen. Wir wollen hemmende Strukturen abbauen, damit das Bündnis Freie Bildung weiterhin ein Raum für Entdeckung und Innovation bleibt. Ein Raum, der den Paradigmenwechsel in der Bildung durch politische Wirksamkeit und eine klare Haltung zur Offenheit aktiv vorantreibt.

