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Bündnis Freie Bildung auf dem OERcamp West in Köln vom 12. bis 13. Mai 2017

Mai 15, 2017 - veröffentlicht in Information , OER - Tags: , , , ,

Nur eine Woche nach dem OERcamp Süd in München fand vergangenes Wochenende das zweite Camp in Köln an der Technischen Hochschule statt. Vom Bündnis war neben Nele Hirsch vom eBildungslabor diesmal auch Valentin Münscher von Wikimedia Deutschland vor Ort. Insgesamt war das Bündnis an 3 Veranstaltungen beteiligt: Neben zwei Barcamp-Sessions, die relativ spontan entwickelt wurden, gab es die Fortsetzung des Workshops “OER in Deutschland: Bildungspolitik, Förderung und wie weiter”, den Nele bereits in München durchgeführt hatte. Die Teilgebendenanzahl hielt sich in Grenzen, dafür waren es neue Gesichter, die ihren Ideen äußerten:

  • Die öffentlich Hand soll die Erstellung von Material mehr fördern, so dass ein ganzes Curriculum unter freier Lizenz stehen würde – damit wäre vor allem an Schulen mehr Anreiz für die Nutzung von OER geschaffen.
  • Um gleichzeitig auch Geschäftsmodelle zu befördern, kam der Vorschlag, einen Schulbuch-Rohling erstellen zu lassen, der länderübergreifend genutzt und von Initiativen und Verlagen weiterentwickelt werden kann.
  • Die kommende OER-Förderrichtlinie sollte zudem verstärkt auch technische Innovationen fördern, so dass z.B. eine bundesweite OER-Suchmaschine (weiter-)entwickelt werden kann.
  • Das setzt insgesamt aber auch eine bessere Bund-Länder-Zusammenarbeit voraus, die Strukturen in der Bildungslandschaft überprüft und ggf. so angepasst werden, dass die Bildungsbereiche ohne Hürden im Sinne des Lebenslangen Lernen einfacher kooperieren können.
  • Die Projekte zur Sensibilisierung und Qualifizierung von Multiplikator*innen, die in der aktuellen OER-Förderrichtlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert werden, sollten eine Laufzeitverlängerung erhalten, denn gerade, wenn die Projekte nach der Vorbereitung und Startphase ihre Wirkung entfalten, läuft die Förderung wieder aus.
  • Eine altbekannte, aber deswegen nicht weniger wichtige Forderung, ist die faire Bezahlung der Vor- und Nachbereitungszeit von freiberuflichen Trainer*innen in der Volkshochschule, damit Anreize geschaffen werden, die eigenen Materialien frei zu lizenzieren.

Die Dokumentation fand in einem Etherpad statt und die Folien von Valentin sind online.

Als “unmoderiertes Durcheinanderreden” war die Barcamp-Session “Auf ein Getränk mit dem Bündnis Freie Bildung” angekündigt, doch entpuppte sich diese Veranstaltung als alles andere als chaotisch. Neben allerlei Fragen, die an das Bündnis gestellt wurden, entstand eine Diskussion darüber, ob OER und freie und Open Software zwingenderweise zusammengehören. Da diese Debatte nur ungenügend ausdiskutiert werden konnte, entschieden sich Lambert Heller von der Technischen Informationsbibliothek Hannover und Valentin am nächsten Tag, zu diesem Thema eine eigene Barcamp-Session “Freier Content – freie Software?”anzubieten. Diese wurde sehr dankend angenommen und es entstand eine spannende Diskussion über den Sinn und Unsinn von Open Source in Hinblick auf OER – vor allem im schulischen Kontext. Alle Teilgebenden waren sich einig, dass es für die einzelne Person grundsätzlich egal ist, ob sie OER mit proprietärer oder offener Software erstellt, solange sie a) OER erstellt und b) es in einem nachnutzbaren Format veröffentlicht. Natürlich wäre es im Sinne des Openness-Gedanken, wenn nur Open-Source-Produkte bei der Erstellung zum Einsatz kommen würden, aber gleichzeitig sei es eine unrealistische Forderung, da Nutzer*innen erst einmal die Software verwenden würden, mit der sie vertraut sind. Wenn hier zu dogmatisch darauf beharrt würde, dass ausschließlich Open Source ‘erlaubt’ ist, würde das der OER-Bewegung eher schaden als nutzen.

 

Anders verhält es sich, wenn ganze Schule und Schulbezirke mit Lernmanagementsystemen und kollaborativen Tools ausgestattet würden. Die Abhängigkeit von einem kommerziellen Anbieter birgt einige Risiken, wie z.B. die Einstellung von Updates und Datenschutzfragen. Aber auch hier müssen offene Systeme bereit stehen, die für die Belegschaft einfach nutzbar sind und den administrativen Aufwand minimal lassen.

Deutlich wurde in der Session auch, dass es sehr viele gute Gründe gibt, OER und Open Source zusammenzudenken. So ermöglicht nur Open Source Software tatsächlich einen offenen Zugang für alle und nur dann kann Remix für alle funktionieren. Woran es bislang häufig mangelt, sind Open Source Software Angebote, die nicht zu nerdig – und damit für Nicht-Techniker schnell abschreckend sind. Gerade im Bereich Webinare fehlt bislang eine benutzerfreundliche Alternative zu proprietären Angeboten. Gearbeitet wird hier allerdings aktuell an einer Erweiterung von OpenMeetings. Schön wäre es auch, wenn es Open-Source-Alternativen zu den – auch im Rahmen des OERCamp genutzten – GoogleDocs geben würde. Der Appell ging hier vor allem an die großen Player in der OER-Community, mit gutem Beispiel voranzugehen. Im Rahmen des jointly-Projekts wird in diesem Sinne beispielsweise auf OnlyOffice gesetzt. Eine weitere Möglichkeit wäre die Nextcloud-Erweiterung Kollabora Online. Aber auch die öffentliche Hand sollte zum Beispiel im Rahmen der OER-Förderrichtlinie technische (Weiter-)Entwicklungen solcher Software umfangreich fördern.

 

Die Diskussion kann im Etherpad samt weiterführender Links und Anmerkungen nachgelesen werden und soll auch in Hamburg auf dem OERcamp Nord strukturiert fortgesetzt werden. Wir freuen uns über engagierte Mitdiskutierende und weitere Perspektiven auf das Thema.

 

Lizenzhinweis
„Bündnis Freie Bildung auf dem OERcamp West“ von „Nele Hirsch (eBildungslabor)“ und „Valentin Münscher (Wikimedia Deutschland)“ steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz. Für Zitierungen reicht als Namensnennung „Bündnis Freie Bildung“. Sofern die Nutzung offline erfolgt, ist an den Hinweis die URL der Lizenz anzufügen: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.

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